1. Vom Geburtstagsfest zu neuen Betten

    Georges Raemy ist ein langjähriger Unterstützer unserer Stiftung und der Great Compassion Boarding School. Als Schulleiter kennt er die Herausforderungen eines Schulbetriebs sehr genau und weiss von den täglichen Anstrengungen in einer Schule.

    Dies ist der Bericht über seinen Besuch in Pokhara im Juli 2017.


    Nach zwei Jahren reiste ich wieder nach Pokhara. Ein guter Kollege, James Regli aus Zug, begleitete mich dabei.

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    Im Februar des laufenden Jahres durfte ich einen runden Geburtstag feiern. Anstatt Geschenke wünschte ich mir eine Spende für die GCBS. Kolleginnen und Kollegen aus meinem Umfeld unterstützten mich noch zusätzlich.

    So nahm ich mit Mister Rijal Kontakt auf. Er wiederum mit Lama Ngawang und der Stiftung. Gemeinsam wurde entschieden, dass die Spende für neue Betten in Lo-Manthang verwendet werden sollte.

    Vor Ort hatten wir genau eine ganze Woche Zeit, um alles zu organisieren … Das war für Nepaliverhältnisse eine wahre Herausforderung.
    Der Schulleiter, Mister Rijal, begleitete uns während dieser Woche. Dank ihm konnten wir einen tollen Einblick in die schulischen, organisatorischen Abläufe erhalten. Seine Kompetenz, Ruhe und Beharrlichkeit beeindruckten uns sehr.

    Mit Mister Rijal starteten wir am ersten Nachmittag Richtung Schlosser. Dieser hatte im Vorfeld bereits alles entsprechende Eisenmaterial erstanden und den Konstruktionsauftrag erhalten. Eigentlich hätten schon mehrere Betten fertig sein sollen. Den Vormittag vor unserem Besuch nutze der Schlosser, um gerade ein Modellbett fertigzustellen …

    Mit asiatischer Ruhe begegnete Mister Rijal dem Schlosser und fragte nach, warum erst ein Bett fertig wäre. Eine Antwort gab es zumindest für uns nicht. Wir begutachteten den Prototyp und gaben dem Hersteller noch den einen und anderen Verbesserungsvorschlag. Der Schlosser versprach sofort mit den anderen 35 Betten zu beginnen.

    Nach drei Tagen machten wir einen Kontrollbesuch. Zwar war kein einziges Bett fertig, dafür aber alle Eisenteile gesägt und geschnitten. Nach eindeutiger Mahnung durch Mister Rijal, dass wir noch drei Tage hier sein würden und gerne einen Fortschritt der Konstruktionen sehen möchten, verliessen wir das Geschäft.

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    Am letzten Tag unseres Besuches waren dann tatsächlich einige Einzelteile zusammen geschweisst. Immerhin ein Fortschritt. Der Schlosser versprach uns, innerhalb der nächsten Woche mit allen Betten fertig zu sein.

    Mit dem Matratzenhändler und dem Schreiner verliefen die Kaufverhandlungen nach harten Preisdiskussionen durchaus in unserem Sinne.
    Es war immer wieder spannend zu beobachten, in welcher Ruhe und Ungestressheit sich hier die Menschen begegnen: sich begrüssen, reden, mit den Verhandlungen beginnen, hin und her Preise diskutieren, sich einigen und zum Schluss wird ein Tee serviert und das Geschäft besiegelt.

    Besuche in den Schulen und im Studentenheim

    In der GCBS leben im Moment 25 Waisenkinder, die Betreuerin und die Kochequipe. Die tollten sich mit Freude auf meinem 2015 erstellten Spielplatz, der wegen Bauarbeiten leicht verschoben werden musste. Alle waren bester Laune und lachten.

    Nach einem typischen vegetarischen Schulmittagessen, das wie immer bestens schmeckte, wurden wir noch durch die Gebäulichkeiten geführt. Die neue riesige Stützmauer hinter dem Hauptgebäude hat doch einiges gebracht – Feuchtigkeit und Bergdruck konnten Paroli geboten werden.

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    In der SOS Schule für die Kleinen konnten wir in drei Klassen hineinschauen. Die 1. Klässler sangen voller Innbrunst verschiedene Lieder und falteten uns aus Papier Sterne und andere Dinge. Zuerst brachten sie uns die «Geschenke» mit grossem Respekt. Aber dann gewannen sie ein Zutrauen und wollten am Schluss nicht mehr an ihre Plätze zurück.    

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    In der 3. Klasse durften wir uns vorstellen. Die Kinder hörten sehr interessiert zu. Nach kurzer Scheu konnten wir uns während einer Lektion kaum mehr der Fragen erwehren: Hauptstadt der Schweiz, höchster Berg, Name unserer Familienmitglieder, Produkte der Schweiz und so weiter. Mit Hilfe eines Atlasses und des Whiteboards konnten wir sehr viel erklären. Dem Unterricht konnten wir nicht mehr zuschauen, da die Zeit so schnell verging.

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    In der 6. Klasse war eine gewisse Zurückhaltung und ein grosser Respekt zu spüren. Ihre Studiumszeit nutzten die Schülerinnen und Schüler, um ihre noch nicht fertigen Arbeiten zu beenden.

    Studentenheim der Oberstufenschüler

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    Bei meinem letzten Besuch vor zwei Jahren war das neue Hostel für die älteren Schüler kurz vor der Vollendung. Nun lebte es. An der Türe erwartete uns mein Gottenkind Dhanu Buddha mit einem Willkommensschal und dem verantwortlichen Lama des Hostels.

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    Danach wurden wir ins Office geführt. Schwere schöne einheimische Möbel füllten den Raum. Eine echte Pracht. Nach Tee trinken und einem ersten Austausch wurden wir durch den Knabentrakt geführt. Wir erhielten einen Einblick in verschiedene Zimmer. Alles war sauber und aufgeräumt. Im obersten Stock betraten wir zum Schluss den Gebetsraum. Eine wunderbare Buddha Statue zog uns in den Bann. Der Raum strahlte eine Ruhe und Besinnlichkeit aus – jeden Morgen treffen sich alle Studenten zum Gebet.

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    Am späten Nachmittag trafen sich alle Lernenden im Essraum zum Studium. Nach einer kurzen Unruhe beobachteten wir ein konzentriertes Arbeiten. Es erinnerte mich an meine Studiumszeit im Lehrerseminar.

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    Auch im Hostel stellten wir diese innere Ruhe fest, die uns die ganze Zeit in Nepal begleitete.

  2. Zeichenwettbewerb «Culture of the Himalayas»

    Unsere Weihnachtskarte 2016 wollten wir ganz persönlich mit einer Zeichnung einer Schülerin oder eines Schülers der Great Compassion Boarding School gestalten.

    Dazu haben wir einen Zeichenwettbewerb organisiert – und waren überwältigt! Wir bekamen viele wunderbare Zeichnungen und es fiel uns äusserst schwer, eine Entscheidung zu treffen.

    Am Schluss wählten wir die Zeichnung von Ngawang Phuntsok als Sieger und entschieden für drei weitere Zeichnungen auf den Plätzen zwei und drei.

    Ngawang Phuntsok ist 19 Jahre jung und lebt seit 2006 an der Great Compassion Boarding School. Er wird dieses Jahr in die 12. Klasse wechseln und wir hoffen, dass er weiterstudieren wird und so etwas für die Entwicklung von Nepal beitragen kann.

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    Den zweiten Rang belegen ex aequo Lhakpa Choezom und Samten.

    Lhakpa Choezom ist ebenfalls 19 Jahre jung und besucht die 12. Klasse.

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    Samten ist 18 Jahre jung und hat soeben die 9. Klasse angefangen.

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    Sehr gefreut hat es uns, dass auch die Kinder aus dem «Waisenkinderprogramm» mitmachten und Shikha es auf den dritten Rang schaffte. Shikha ist 17 Jahre alt und seit letztem Jahr an der Great Compassion Boarding School.

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    Die Kinder verarbeiten noch das Trauma, welche sie während dem Erdbeben 2015 erlebt haben, das hat man auch in ihren Zeichnungen gesehen. Zum Glück entwickeln sie sich aber sehr positiv und wir helfen ihnen, wo wir können, um ihnen eine Zukunft voller Möglichkeiten zu ermöglichen.

    Wir sind sehr stolz auf all unsere Kinder!imageimage

  3. Vortrag Lama Ngawang bei Sport Conrad in Garmisch-Partenkirchen

    Auf Einladung von Hans Conrad fuhren Lama Ngawang, Elisabeth Erne und Bettina Wälti am 8. Dezember 2016 mit dem Zug nach Garmisch-Partenkirchen.

    Das Sport Conrad-Team unterstützt Himalaya’s Children schon seit vielen Jahren und wir merkten sofort, dass hier mit viel Herz gearbeitet wird und alle Familienmitglieder und Mitarbeiter voll und ganz hinter dem Engagement für unsere Stiftung stehen.

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    Unter dem Motto «Nepal Hautnah erleben» durfte Lama Ngawang seine Schule und insbesondere das Projekt «Waisenkinder» vorstellen. Lama Ngawang hat in seiner sympathischen Art schnell den Zugang zum Publikum gefunden und viele wichtige Eindrücke weitergeben können.

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    Danach erzählte Michi Markewitsch von seinen Trekkingreisen nach Nepal und zeigte eindrückliche Fotos und Original-Tonaufnahmen.

    Das Publikum war sehr aufmerksam und hatte sichtlich Freude an den Erzählungen von Lama Ngawang und Michi Marketwitsch. Während dem anschliessenden Apéro haben viele die Chance genutzt und mit Lama Ngawang aber auch mit Elisabeth Erne und Bettina Wälti spannende Gespräche geführt.

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    Der gesammelte Spendenbetrag wurde am Schluss von Sport Conrad mehr als grosszügig aufgerundet.

    Es sind genau diese Momente, welche uns Kraft geben, uns weiterhin für die Kinder des Himalaya einzusetzen.

    Von Herzen Danke.

  4. Vortrag Lama Ngawang bei «farfalle di luce» in Mailand

    Im Oktober 2016 und im Dezember 2016 hat Micaela Vannucchi, Präsidentin der Stiftung «farfalle di luce» in Mailand, Lama Ngawang, Elisabeth Erne und Bettina Wälti nach Mailand eingeladen, um vor den Mitgliedern ihrer Stiftung über unser Engagement in Nepal zu erzählen.

    Vor allem wollten Micaela und ihre Freunde mehr über unser «Waisenkinder-Programm» wissen. «farfalle di luce» setzt sich auf der ganzen Welt für das Wohl von Kindern ein und unterstützt gezielt einzelne Projekte.

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    Unsere Präsentation wurde auf Italienisch gezeigt und Micaela führte gekonnt durch den Abend. 

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    Die Stiftungsmitglieder waren sehr interessiert und unser ganzheitlicher Ansatz einer schulisch wie auch sozial integrativen Ausbildung fand grossen Anklang.

    Obwohl sich «farfalle di luce» bereits für viele Projekte engagiert, konnten wir am Schluss einen sehr grosszügigen Spendenbetrag entgegennehmen, welcher direkt in das «Waisenkinder-Programm» fliesst.

    Die persönlichen Begegnungen waren sehr bereichernd und wir danken «farfalle di luce» von Herzen für die unentwegte Unterstützung.

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  5. Feierliche Eröffnung des Studentenheims in Pokhara

    Nach einer fast dreijährigen Bauzeit wurde am 2. Februar 2016 das neue Studentenheim der GCBS offiziell eingeweiht. Was für ein Fest!

    Zur Eröffnung wurde das Hostel noch einmal richtig herausgeputzt und mit farbenfrohen Fahnen und Lichterketten behangen.

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    Es war eine grosse Ehre, dass seine Heiligkeit Sakya Trinzin für die Einweihung gewonnen werden konnte. Seine Heiligkeit wurde grossartig empfangen, viele Familienmitglieder und Freunde der Schüler und der Schule aus Mustang waren extra angereist, um diesen Moment zu teilen.

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    Nach seiner Ankunft durchschnitt HH Sakya Trinzin das Band zur Eröffnung des Studentenheims.

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    Danach begab sich die Gesellschaft zu Fuss in den vierten Stock, wo die zukünftige Bibliothek prachtvoll für die Einweihung hergerichtet war.

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    Die Kinder sind der Grund, warum dieses Fest überhaupt stattgefunden hat und darum war es selbstverständlich, dass Lama Ngawang die Schüler der Great Compassion Boarding an diesem historischen Tag mit dabeihaben wollte.

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    Auf die Eröffnungszeremonie folgte das Fest für Studenten, Schüler, Familien, Lehrer und alle eingeladenen Gäste.

    Die Schüler und Studenten der Great Compassion Boarding School wurden natürlich auch in die Festlichkeiten eingebunden und durften ihre schönsten traditionellen Kleider tragen.

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    Es wurde viel getanzt, gegessen, gelacht und gefeiert.

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    Es war ein wunderbares Fest, welches allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    Und nun freuen sich die Studenten der 8. Klasse und höher auf ihr neues Zuhause.

  6. Projekte an der GCBS: Eine Herausforderung und eine Bereicherung zugleich

    Georges Raemy ist ein langjähriger Unterstützer unserer Stiftung und der Great Compassion Boarding School. Als Schulleiter kennt er die Herausforderungen eines Schulbetriebs sehr genau und weiss von den täglichen Anstrengungen in einer Schule.

    Dies ist sein Bericht über verschiedene Projekte an der GCBS in Pokhara im Herbst 2015.


    Im Zusammenhang mit meiner Langzeitweiterbildung als Schulleiter durfte ich knapp vier Wochen in Pokhara verbringen. Dort durfte ich vier Projekte an der GCBS durchführen, sowie die SOS Schulen besuchen.

    Zuhause sammelte ich Geld in meinem Umfeld. Dazu verzichtete meine Frau auf Geburtstagsgeschenke und bat um eine Spende für das GCBS. Dadurch kamen einige Franken zusammen.

    Mit dem Schulleiter, Mister Rijal, besprach ich, was mit den Spendengeldern getan werden konnte. Er nahm dann mit dem Lama Kontakt auf. Aus einer Liste mit sieben Vorschlägen entschied ich mich für vier Projekte.

    Ein Spielplatz für die kleineren Schülerinnen und Schüler war mein Hauptanliegen. Ich zeichnete jedes der vier Geräte mit den entsprechenden Massen auf. Mit den Plänen besuchten wir den Schlosser. Ich musste ihm jedes Gerät genau erklären. Danach legte er den Preis fest. Nach dem Handschlag begann die Umsetzung. Fast jeden Tag gingen Mr Rijal und ich beim Schlosser vorbei, um das Ganze voranzutreiben.

    Die übliche Dauer eines solchen Auftrages beträgt in Nepal rund 10 Wochen. Hinderlich war, dass der Strom jeden Tag mehrere Stunden ausfiel. Wie konnte man so mit Eisen arbeiten? Nach knapp drei Wochen war alles trotzdem fertiggeschweisst. Nun mussten wir den Bauplatz herrichten, Löcher ausgraben und Beton mischen. Der Schlosser brachte die Geräte zum GCBS.

    Gemeinsam mit Mr Tashi, Mr Rijal, dem Koch, einigen Studenten und mir bauten wir das Ganze auf.

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    Nun mussten die Geräte nur noch angemalt werden. Auch das schafften wir. Nach drei Tagen vollem Einsatz waren der gesamte Spielplatz und zwei kleine Fussballtore für die Übergabe an die Jugendlichen bereit.

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    Das zweite Projekt war die Planung und das Bestellen von vier Metallbänken. Zwei Bänke sind beim Basketballfeld als Zuschauerbänke geplant und zwei stehen zum Lesen und Reden zur Verfügung. Den entsprechen Auftrag habe ich an den Schlosser weitergegeben.

    Das dritte Projekt war das Organisieren von vier Whiteboards. Die alten Wandtafeln in vier Schulzimmern waren wegen des steten Wasserdruckes auf der Stirnseite der Zimmer aufgequollen und unbrauchbar geworden. So bestellten wir beim Schreiner die entsprechen Boards.

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    Das letzte Projekt musste ich aus Zeitgründen dem Schulleiter übergeben. Auf Grund der verschiedenen Beben in diesem Frühling muss man kleine Maurerarbeiten durchführen. Diese wird Mr Rijal organisieren und überwachen.

    Wie geht eine Bestellung in Nepal vor sich? Ich gehe mit meinen Vorstellungen, Massen, Ideen und Zeichnungen zum entsprechenden Handwerker. Mr Rijal übernimmt dann die Übersetzung meiner Anliegen. Der Handwerkmeister zeigt grosse Freude. Danach wird über „Gott und die Welt“ philosophiert. Irgendwann kommt man auf die Bestellung zurück. Der Handwerker legt den Preis fest, ohne jegliche schriftliche Berechnungen. Mr Rijal neigt den Kopf und zeigt sich wenig begeistert. Dann setzen die Diskussionen ein. Alle bleiben immer freundlich und bestimmt. Nachdem man sich endlich geeinigt hat, herrscht eitle Freude. Es gibt einen Handschlag und es wird Cola oder Tee bestellt. Nun wird wieder über verschiedenen Dinge diskutiert. Zum Schluss bezahle ich noch eine Anzahlung, rund 15% der Gesamtsumme), um die ersten Materialkosten zu decken. Das ganze Prozedere dauert für jede Bestellung ungefähr 1,5 Stunden.

    Es war für mich ein tolles Gefühl, für die Jugendlichen etwas Sinnvolles gestalten zu können. Darauf bin ich auch etwas stolz.

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  7. Besuch der SOS Schulen

    Georges Raemy ist ein langjähriger Unterstützer unserer Stiftung und der Great Compassion Boarding School. Als Schulleiter kennt er die Herausforderungen eines Schulbetriebs sehr genau und weiss von den täglichen Anstrengungen in einer Schule.

    Dies ist die Zusammenfassung seiner Besuche der SOS Schulen in Pokhara im Herbst 2015.


    Die 4. – 13. Klässler der GCBS besuchen die SOS Schulen. Hier meine spannenden Erlebnisse.

    Zuerst wurde ich von der Schulleitung 8. - 13. Klasse empfangen. Er erklärte mir, dass es ganz wichtig wäre, als Schule sehr gut abzuschneiden. Das Ergebnis des Schulschlussexamens wird veröffentlicht. Dieses Ergebnis wäre von grosser Bedeutung für den Namen der Schule. Es gäbe eine Art Ranking in Nepal.

    Ich durfte zwei Klassen besuchen. Die Unterrichtssprache war in Englisch. Die Lerninhalte empfand ich als sehr anspruchsvoll. Jede Lehrperson verteilte für sein Fach Hausaufgaben. Das konnte heissen, dass ein Student durchaus 3-4 Stunden daheim noch zu tun hatte.

    An einem weiteren Tag durfte ich die Grundschule 1.-7. Klasse besuchen. Zu Beginn des Tages stellten sich die Kinder in Reih und Glied auf dem Pausenplatz.

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    Dann sangen alle die nepalesische und die tibetanische Nationalhymne. Zum Schluss sangen sie noch ein religiöses buddhistisches Lied. Nun begann der Unterricht in den verschiedenen Klassen.

    Der Frontalunterricht ist die Hauptvermittlungsart. Wenn die Studenten etwas wissen oder fragen wollten, redeten sie einfach drein oder selten streckten sie auf.

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    Dieses Dreinreden in unserem Sinne war jedoch ein didaktisches Mittel der Lehrperson. Wichtige Punkte wurden jeweils von der ganzen Klasse laut repetiert oder laut gemeinsam vorgelesen.

    Nach jeder Lektion wechselte die Lehrperson, wie bei den älteren Klassen. Auch hier verteilten die Lehrpersonen Hausaufgaben. Jedoch nicht in dem Masse wie in der Oberstufe. Die Unterrichtssprache war zu 85 Prozent Englisch und zu 15 Prozent Nepali. Die Kinder machten mir einen interessierten Eindruck. Sie verstanden gut Englisch und konnten dem Unterricht stetig folgen. Mit Englisch selber reden, da haperte es bei vielen Schülern.

    In der letzten Unterrichtsstunde waren Schach- und Karambole-Meisterschaften angesagt.

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    Diejenigen Jugendlichen, die beim letzten Spieltag verloren hatten, schauten gespannt zu. Wenn jemand eine Partie gewann, rief der Turnlehrer den Sieger aus. Dieser wurde lautstark gefeiert. Für mich war das ein echter Renner.

    Vom Schulleiter wurde ich gebeten, an einem anderen Tag einen kleinen Vortrag an die Studenten zu richten.

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    Anschliessend sollte ich noch zu den Lehrpersonen reden und ihnen erklären, was eine gute Lehrperson ausmache. Diese Herausforderung nahm ich gerne an. Asiatisch freundlich applaudierten mir beide Parts ausgiebig. Dem Schulleiter gefielen meine Gedanken, denn er meldete sich zwei Tage später nochmals per Telefon und dankte für die beiden Inputs.

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  8. Erkenntnis durch Wissen
    Yungga, Class: VI, Great Compassion Boarding School
    STECKBRIEF AN DEN TAG

    Die Kraft deines LÄCHELNS…

    Schenke deiner Mutter ein LÄCHELN,
    sie wird dich des Öftern UMARMEN.
    Schenke deinem Vater ein LÄCHELN,
    er wird dich vermehrt UMSORGEN
    Schenke deinem Lehrer ein LÄCHELN,
    er wird deinen RESPEKT und deine SYMPATHIE erkennen.
    Schenke einer Person, die dir wenig Respekt zollt ein LÄCHELN,
    POSITVE GEDANKEN werden sie überkommen.
    Schenke Freunden dein LÄCHELN,
    sie werden deine FREUNDSCHAFT bestärken.

    Verschenke dein LÄCHELN grosszügig – JEDEN TAG,
    es wird FRIEDEN und GEGENSEITIGEN RESPEKT vermitteln.

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  9. Schulfächer zwischen Tradition und Moderne

    Benita Zekaj, Mitglied des Stiftungsrates, erzählt, welche Sprachen an der Great Compassion Boarding School  gelehrt - und wie tibetische Traditionen gepflegt werden. 

    An der Great Compassion Boarding School werden drei Sprachfächer unterrichtet: Nepali als Landessprache, Tibetisch und Englisch. Tibetisch ist insofern wichtig, als dass viele Kinder aus dem Mustang und Dolpo kommen, welches tibetisch geprägte Gebiete sind. An anderen Schulen wird die tibetische Sprache leider nicht unterrichtet.

    Zusätzlich zu den beiden lokalen Sprachen wird auch bereits im Kindergarten die englische Sprache gefördert. In Nepal ist es sehr wichtig, dass man die Weltsprache Englisch beherrscht, da der Tourismus stetig wächst.

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    Neben den drei Sprachen werden die Kinder in Mathematik, Naturwissenschaften, Soziologie und Musik unterrichtet.

    Vor allem die Musik spielt eine grosse Rolle an der GCBS. Tänze und Gesänge sind ein wichtiger Bestandteil der tibetischen Kultur und der Schule ist es wichtig, dass die Kinder diese Tradition weiterführen. Deshalb nutzt die GCBS jede Gelegenheit und lässt die Kinder tanzen und singen. Vor allem traditionelle Tänze machen den Schülern und Schülerinnen Spass, da sie die wunderschönen traditionellen Kleider tragen dürfen.

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  10. Great Compassion der ehemaligen Schüler

    Ein Studentenwohnheim ist mehr als ein Dach über dem Kopf: Unser junger Volontär Fabio Keller zu seinen Erlebnissen mit kleinen Platzverhältnissen und grosser Gastfreundschaft.


    Im Herzen von Pokhara steht den ehemaligen Schülern der GCBS ein Haus zur Verfügung wo sie wohnen und leben während sie am lokalen Gymnasium ihre weitere schulische Laufbahn verfolgen.

    Als ich 2013 einige Nächte dort lebte, waren die Verhältnisse eng bis prekär, was bis heute verbessert wurde. Mit Spendengeldern wurde ein zweites Wohnhaus gebaut.

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    Die Gastfreundschaft, Moral und Solidarität untereinander hat mit hiesigen, chaotischen WGs wenig zu tun. Ich trat damals im Sommer ein, wurde gleich eingeladen zu Tee usw. und bekam ein eigenes Zimmer.

    Dies obwohl bis zu 15 Jugendliche in meinem Alter sich zweieinhalb Zimmer teilten und kaum Privatsphäre hatten. Sie überliessen mir das gesamte Gästezimmer. Selbst das Wohnzimmer bauten sie teilweise um, damit sie notdürftig Platz für drei weitere Bewohner schaffen konnten. Das Gästezimmer blieb reserviert für die Gäste.

    Verständlicherweise befällt Einen das schlechte Gewissen, wenn man dort einzieht und als König behandelt wird. Man ist sicher dankbar, doch hakte ich nach und bat inständig darum, dass mindestens eine weitere Person mit mir das Zimmer teilen sollte. Ich fand es ungerecht.

    Rückblickend war diese Bitte meinerseits auf eine wunderbare Art lächerlich, weil ich meine Mitbewohner nur mit Müh und Not, und auch erst am letzten Abend überzeugen konnte, dass sie mich doch bitte, bitte mindestens ein paar Flaschen Coca Cola kaufen lassen sollten, und ich somit irgendwie meine Dankbarkeit ausdrücken könne. Es war ein verzweifelter, in der Güte fast ertränkter Versuch sich zu revanchieren.

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    Wir hatten vieles gemeinsam, was globalisierte Jugendliche im 21. Jahrhundert eben ausmacht und doch prallten zwei Kulturen, ja Zivilisationen, aufeinander. Einerseits waren da kulturelle Dinge wie Musik und Kleidung wo wir uns alle sehr nahestanden. Indie Rock, Electro, Slim Jeans und Sneakers sind global. Doch diese Dinge scheinen unglaublich oberflächlich und die Prägung der eigentlichen Kultur in ihren eigenen vier Wänden, wie 10’000 Meilen darunter.

    Wenn man heute jung ist vergisst man schnell, woher man kommt. Man glaubt sich emanzipiert und manchmal einer höheren Sache verschrieben. In dem man uns damals in Pokhara für knapp eine Woche in einer WG gegenüberstellte wurde zumindest mir ein Spiegelbild eröffnet und es wurde mir klar wie tief ein Charakter von seinen Wurzeln geprägt ist.

    Umso schöner ist es dann auch wenn man realisieren darf, dass man nicht gleich sein muss um zusammen zu sein; getreu nach dem Motto: «Nos différences nous unissent!»

  11. Es geht einiges an der Great Compassion Boarding School

    In den letzten Wochen waren motivierte Volontärinnen und Volontäre an der GCBS in Pokhara im Einsatz.


    Dank ihnen konnten zwei wichtige Anliegen endlich angepackt und umgesetzt werden.

    Zum einen wurde der Kindergarten an der GCBS renoviert und neu gestaltet: Der alte Teppich wurde ersetzt und die Wände bekamen durch einen neuen Anstrich eine neue Frische.

    Besondere Kreativität wurde durch die farbenfrohe Gestaltung der Wände mit Disney-Motiven bewiesen. Diese freundlichen Bilder sowie die ABC- und Zahlentabellen bieten den jüngsten Kindern der GCBS eine ansprechende und fröhliche Lernatmosphäre.

    Ausserdem wurde das ehemalige Schulleiter-Büro in eine Bibliothek umgewandelt. Die vielen vorhandenen Bücher wurden sortiert und in Regale geräumt. So ist eine weitere tolle Unterrichts- und Freizeitbeschäftigung für die Lernenden entstanden.

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    Wir sind sehr froh, dass sich immer wieder junge und motivierte Menschen für einen Freiwilligeneinsatz an der GCBS bewerben. Herzlichen Dank für euren grossartigen Einsatz!

  12. Weihnachtsfest für die westlichen Besucher

    Benita Zekaj, Mitglied des Stiftungsrates, erzählt, wie sie letztes Jahr das Weihnachtsfest an der Great Compassion Boarding School erlebt hat.


    Der Baum ist geschmückt. Die Tänze vorbereitet und die Geschenke liegen bereit. Es ist definitiv Weihnachten.

    Die Kinder der Great Compassion Boarding School gehören mehrheitlich der buddhistischen und hinduistischen Glaubensrichtung an. Trotzdem wird jedes Jahr ein Weihnachtsfest für die anwesenden Paten und Patinnen, Volontäre und Volontärinnen und sonstigen Besuchern organisiert.

    Am 25. Dezember haben die Schüler und Schülerinnen keinen Unterricht und können deshalb das Weihnachtsfest vorbereiten. In Gruppen werden Tänze und Lieder vorbereitet, die am Abend stolz präsentiert werden. Einige Schüler sind für die notwendige Musik zuständig und andere schmücken den Baum, der im Innenhof bei den Mädchenzimmern steht. Die Kinder sind fröhlich und freuen sich auf den Abend bei dem sie auch ein leckeres Abendessen geniessen dürfen.

    Nachdem alles aufgestellt und jeder Gast Platz genommen hat, beginnt die Feier mit einer Ansprache eines Schülers. Dieser begrüsst die Gäste und Kinder und wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest.

    Nun starten die Tanzpräsentationen der verschiedenen Gruppen. Von Rap bis zum nepalesischem Volkstanz ist alles dabei. Die Kinder und Gäste sind begeistert von den tollen Aufführungen. Nach der letzten Aufführung erhalten die Gäste oftmals ein kleines Geschenk.

    Die tolle Stimmung endet auch nicht, als die Party vorbei ist und die Kinder zum Abendessen in die Mensa gehen. Heute gibt es eine besonders leckere Mahlzeit, welche die Kinder und Gäste in vollen Zügen geniessen. Voll und zufrieden gehen die Kinder später schlafen.

    Letztes Jahr habe ich mit drei weiteren Besucherinnen dieses Weihnachtsfest selber erlebt. Wir haben mit den Kindern getanzt, gelacht und waren fröhlich. Als Geschenk haben wir unglaublich schöne Bilder erhalten, die die Kinder selber gemalt haben. Auch wenn es ein wenig anders war als zu Hause, war es doch eines der schönsten Weihnachten, die ich hatte. 

  13. Im Westen steht Weihnachten vor der Tür – in Nepal bereiten sich alle auf Saraswati Puja vor

    Saraswati Puja ist eines der wichtigsten Feiertage in Nepal und wird mit grosser Inbrunst im Januar zelebriert. Der Feiertag wird zu Ehren des Geburtstags der populärsten hinduistischen Göttin Saraswati gefeiert. Saraswati ist die Hindu-Gottheit des Lernens, der Musik und der Reinheit.


    Am Festtag feiern die Menschen auch die Fruchtbarkeit der Göttin und die Ankunft des Frühlings. Dies tun sie mit Blumen, Süssigkeiten, Obst und viel Fröhlichkeit. Saraswati Puja führt Nepali aller Kasten, Glaubensrichtungen und Überzeugungen zusammen in einer warmen Bindung der Freude, des religiösen Glaubens und Ausgelassenheit.

    Auch zum Feiertag gehört es, dass die Gläubiger in den verschiedenen Saraswati Tempeln des Landes zusammenkommen, um die Göttin anzubeten.

    An den Schulen und Universitäten werden Bilder der Göttin aufgestellt und kulturelle Programme und Prozessionen durchgeführt.

    Saraswati Puja ist ausserdem der Tag, an dem Schülerinnen und Schüler ihre Stifte und Bücher verehren. Sie bitten die Göttin Saraswati, dass sie klug und kenntnisreich werden und ihre Ausbildung sie zu gebildeten Menschen macht. Dieser Tag erinnert die Studenten an den wahren Wert der Bildung. 

  14. Ich und meine Eltern

    Der Schüler Tsewang Gurung besucht die neunte Klasse der Great Compassion Boarding School. In einem Schulaufsatz beschreibt er die Beziehung zu seinen Eltern und wie diese sich im Laufe des Lebens verändert. 


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  15. Sam Dzong – ein Dorf zieht um

    Die fatalen Folgen der Klimaerwärmung: Warum ein ganzes Dorf seine Heimat verlassen muss


    Das nepalesischen Dorf Sam Dzong im ehemaligen Königreich Mustang nördlich der Himalayakette hat durch die Klimaveränderungen seine Lebensgrundlage verloren.  In der Region gibt es kein Wasser mehr. Quellen trocknen aus und die Bauern sind nicht mehr in der Lage ihre Felder zu bewirtschaften und ihre Familien zu ernähren. Bisher lebten die Einwohner im Einklang der Natur und betrieben Landwirtschaft nach alter Tradition. Für eine bessere Zukunft sind sie nun gezwungen, das ganze Dorf umzusiedeln.

    image© Manuel Bauer

    In ihrer Not haben sie sich an Lama Ngawang gewandt, der den ehemaligen König von Mustang um ein Stück Land für die notleidende Bevölkerung gebeten hat. Der König hat diese Bitte erfüllt und nun gilt es, das Dorf mit seinen 85 Bewohnern und 18 Häusern umzusiedeln. Vorher muss das Land aber noch urbar gemacht, da es bisher mit mannshohen Findlingen übersät und nicht bewohnbar war.

    Der Schweizer Fotograf Manuel Bauer, der durch seine Fotos mit dem Dalai Lama bekannt wurde, hat sich entschieden zusammen mit Lama Ngawang den Umzug und die Bewohner dabei zu unterstützen. Manuel Bauer möchte helfen und sammelt Spenden in der Schweiz für die Räumungsarbeiten und den Transport von Bauholz. Er schafft es eine beachtliche Unterstützung und materielle Hilfe zu mobilisieren. 

    image© Manuel Bauer

    Die Stiftung Himalaya`s Children wurde ebenfalls angefragt, ob sie sich als Plattform für dieses humanitäre Projekt zur Verfügung stellen würde. Der Stiftungsrat hat sich nach ausgiebigem Studium der Unterlagen für ein Engagement ausgesprochen und es wurde stiftungskonform die Bewilligung der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht in Bern eingeholt.

    Lama Ngawang hat aufgrund der Dringlichkeit der Umsiedlung des Dorfes Sam Dzong, für die er massgeblich verantwortlich ist, beschlossen, dieses Jahr keine weiteren Verpflichtungen in Europa einzugehen. Die Umsiedlung in Sam Dzong soll 2015 abgeschlossen sein.

    image© Manuel Bauer

    In seinem Fotoprojekt begleitet Manuel Bauer den Umzug, den Neubau des Dorfes und dessen Einweihung sowie die Bebauung der neuen Felder. Er möchte damit auf die Klimaerwärmung aufmerksam machen. Für dieses Projekt erhielt er 2014 den «Greenpeace Photo Award».

    Seine beeindruckenden Bilder und weitere Informationen zu diesem einzigartigen Projekt finden Sie unter http://samdzong.org/.

  16. Nepals Flagge

    Erfahren Sie hier, warum die nepalesische Flagge weltweit einzigartig ist.


    Als Schweizer ist man mit Flaggen vertraut, die nicht den gängigen Konventionen entsprechen. Nicht nur alle Kantonsflaggen, auch die Nationalflagge ist quadratisch. Bis auf den Vatikan und Liechtenstein gibt es kaum Länder mit demselben Format. Der Standard ist ein Rechteck. Quadratisch zu sein ist also nicht “Mainstream”. Der wahre “Hipster” unter den Nationen dieser Welt, was die Flagge betrifft, ist jedoch Nepal.

    Die einzige Flagge mit mehr als vier Ecken entstand aus einer Mischung von nepalesischer Gemütlichkeit und Schweizer Kompromiss. Ursprünglich zwei Wimpel, hat man sie zu einem ganzen zusammengenäht und deklarierte die Fusion als Nationalflagge.

    Über die Aerodynamik der “Patchworkflag” darf man, muss man sich streiten, denn sie ist äusserst schlecht. Auch das majestätische Flattern im Wind, das dem ein oder anderen Patrioten das Herz erwärmt, ist eher schlecht als recht.

    Trotzdem ist sie meiner Meinung nach schön und der Ausnahmestatus macht sie interessant. Die blaue Umrandung symbolisiert den Frieden (ja wieder der Friede der so schön passt), das Rot (genauer: Kaminrot) ist die nepalesische Nationalfarbe. Halbmond und Sonne oben sowie die Sonne unten, stehen gemeinsam für die Hoffnung, dass Nepal ewig sein möge wie die Himmelskörper.

    Seit 1768 steht die Union widerspenstig wie eine Insel umgeben von kriegerischen, konfliktreichen und kolonialisierten Gebieten, ähnlich wie die Schweiz. So hofft man auf keine Supernova und wünscht, dass man auch mal den 700sten feiern kann in der Schweiz Asiens.

  17. Die Reise geht weiter ...

    Lesen Sie den zweiten Teil des Erfahrungsberichts von unserem Volontär Mario Schnitzler über seine Erlebnisse in Nepal.


    Als die Ferien begannen, reisten die meisten der Schüler zu ihren Eltern nach Mustang.

    Ich blieb mit einer kleinen Gruppe in der Schule. Die Gruppe bestand zunächst auch noch aus älteren Schülern, die auf die Ergebnisse ihrer Prüfungen warteten.

    Die restlichen Schüler waren Kinder aus der an Mustang grenzenden Region „Dolpa“, welche eine zu lange und unwegsame Reise erfordern würde, um nach Hause zu können.

    So machte ich in der Zeit der Ferien mit einigen der verbliebenen Schüler kleinere Ausflüge. Zum Beispiel mit einer Gruppe Mädchen ins Museum und ins Kino oder mit den „Dolpalis“ in den nicht allzu ferngelegenen Penguin Swimmingpool.

    Während der ganzen Zeit gab es natürlich auch Schüler, die mir näher standen als andere, allein wegen der Nähe, die diese zu mir suchten. Besonders viel Kontakt hatte ich während der Ferien beispielsweise mit den Kinder Dolpas, da außer dem Koch und der Köchin nur ich als erwachsene Bezugsperson der Kinder da war. Wir verbrachten den ganzen Monat zusammen.

    Anfangs arbeitete ich noch viel mit Mr. Rijal und Prakash am Schulmagazin und auch später widmete ich mich z.B. der Grundüberholung des Basketballplatzes und des „clinic room“, doch zwischendrin hatte ich auch viel Spaß mit den Kindern. Wie an dem einen Abend an dem wir bei gewohntem Stromausfall einen etwas geheimen Filmabend in der Dininghall machten, da diese über einen Stromspeicher versorgt wird.

    Mit einigen der Schüler spielte ich oft „Bhag chal“ (in etwa mit „Tigerjagd“ zu übersetzen, ein traditionelles nepalesisches Brettspiel), und manchmal saßen wir einfach nur herum und unterhielten uns. 

    Auch zu den Lehrern hatte ich wirklich freundschaftliche Beziehungen und sie waren immer hilfsbereit. Mit Mr. Rijal und Samit sprach ich oft über allgemeine Probleme, wir tauschten uns über Schüler aus und unterhielten uns angeregt über „Gott und die Welt“.

    Gegen Ende meines Nepalaufenthaltes wurde eine Art Traum für mich wahr, denn ich bekam die Möglichkeit mit Lama Ngawang und der Mitreisenden Yvonne in die Heimat der meisten Schüler, nach Mustang, genauer nach Lo-Monthang zu reisen, um dort die Schule zu besuchen.

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    So lernte ich eine völlig neue Kultur kennen, die ich bisher nur von Bildern und begeisterten Erzählungen der Schüler kannte. Auch der Schulablauf war ein ganz anderer, da die Gegebenheiten des Distriktes sich derart von denen rund um die Schule in Pokhara unterschieden, dass man meinen konnte, es handle sich um ein weit von Nepal entferntes Land.

    Besonders schön war es für mich dort die Menschen zu erleben und durch Zufall auf Mütter, Väter und andere Verwandte der Schüler zu treffen. Auf einer Wanderung außerhalb von Lo-Monthang traf ich beispielsweise, auf der Suche nach einer heiße Quelle, eine Gruppe von 3 Mädchen, die mich auf dem Rückweg begleiteten. Während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass eines der Mädchen die Schwester von Tashi, einer der SOS-Schülerinnen, war.  

    Es war wie ein fehlendes wichtiges Puzzleteil für mich, um die Schüler zu kennen und zu verstehen.

    Als ich wieder zu Hause in Pokhara ankam war unterdessen Carmela, eine weitere Voluntaristin aus der Schweiz, eingetroffen. Zusammen stellten wir das Projekt „clinic room“ fertig.

    Dann, nach 145 Tagen GCBS hieß es Abschied nehmen. Es fiel mir sehr schwer mich von den Menschen, die mir unterdessen sehr viel bedeuteten und mir so viel gegeben hatten zu verabschieden.

    Zwar bin ich mittlerweile auch wieder komplett zu Hause angekommen und ein gewisser Alltag ist wieder eingekehrt, doch da ist etwas riesig großes das man mir mitgab und das sind die unersetzlichen Erfahrungen, die ich machen und aus denen ich viel Neues lernen durfte. Vielen Dank!   

    Abschließend möchte ich ganz besonders der GCBS Familie mit allen Schülern, den Lehrern, der Verwaltung, Lama Ngawang und natürlich der Stiftung mit all ihren Mitwirkenden und besonders Elisabeth Erne danken.    

  18. 145 Tage voller Erlebnisse

    Lesen Sie den ersten Teil des Erfahrungsberichts von unserem Volontär Mario Schnitzler über seine Zeit an der „Great Compassion Boarding School“.


    Hallo, ich bin Mario Schnitzler, 21 Jahre alt.

    Von Januar bis Juni dieses Jahres bekam ich die Möglichkeit die GCBS in Pokhara zu besuchen. Es war meine erste Reise nach Nepal und ich wusste um ehrlich zu sein weder was auf mich zu kam, noch ahnte ich, dass in diesem Land einige der schönsten Erlebnisse auf mich warteten.

    Nach meiner Ankunft wurde ich herzlich und freundlich aufgenommen und von Anfang an fühlte ich mich wohl. Interessierte Jungen begannen schnell mich auszufragen und auch von sich, von Nepal, ihrer Religion, von Fußball oder der Schule zu erzählen und mit der Zeit entwickelten sich daraus tolle und interessante Gespräche.

    Die Mädchen waren schüchterner und sogar nach einem Monat traf ich noch auf eine kleine kichernde Gruppe, die mich nach meinem Namen fragte. Doch auch die Schüchternheit löste sich bald und ich wurde immer mehr ein Teil der Familie.

    Mich zurecht zu finden und anzukommen wurde mir besonders durch die Voluntaristin Sira erleichtert, die bereits im Dezember `13 angekommen war und mir schon einiges zeigen und erklären konnte.

    Gemeinsam mit ihr begann ich nun auch Englisch in den Klassen U.K.G. bis 3 zu unterrichten, was zwar teils sehr anstrengend, aber auch wunderschön sein konnte (auch nepalesische Kinder sind nicht immer nur brav).

    Sira und ich mussten eigene Systeme entwickeln, wie wir den Unterricht gestalten wollten, da in dem uns bekannten westlichen System anders unterrichtet wird, als die Schülerinnen und Schüler es in Nepal gewohnt sind. Außerdem hatten wir keinerlei Erfahrungen im Unterrichten abgesehen von denen, die wir als Schüler selbst gesammelt hatten.

    Immer stärker wurden Beziehungen mit den Schülern, welche ich schon bald brüderlich und schwesterlich gern hatte. Sira und ich brachten die ganz kleinen Kinder abends auch in die Betten und achteten darauf, dass Zähne geputzt waren, wodurch wir mit der Zeit nicht mehr bloß Lehrer für die Kinder waren.

    Nachdem Sira Ende Februar wieder abgereist war, unterrichtete ich noch eine Weile weiter. Die Schule machte neben dem Schulalltag kleinere Ausflüge, unter anderem an „Sonam Losar“ (dem tibetischen Neujahr), oder auch mal in ein „dental camp“.

    Lesen Sie nächste Woche den zweiten Teil über Mario`s Abenteuer in Nepal!

  19. Der Frieden über Pokhara

    Unser freiwilliger Helfer Fabio Keller erzählt uns von einem besonderen Ort des Friedens. Ein Geheimtipp inmitten der Natur.


    Der Japaner Nichidatsu Fuji hatte Mitte des 20. Jahrhunderts eine simple, doch wunderbare Idee: Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Treffen mit Mahatma Gandhi wurde er von der grundsätzlichen Idee der Nicht-Gewalt inspiriert und begann mit dem Bau einer «World Peace Pagoda» in Hiroshima. Die Idee erfasste alle Kontinente und bis heute existieren knapp 100 Pagoden auf der ganzen Welt, die alle ähnlich weiss aussehend, die Hoffnung auf Weltfrieden markieren.

    Gegenüber der Great Compassion Boarding School in Pokhara, hoch über dem Phewa See, steht eine dieser Pagoden. Die einstündige Wanderung auf den Gipfel ist mehr als lohnenswert. Die Pagode selbst und der Blick auf das Annapurnamassiv und natürlich die GCBS, sind atemberaubend.

    Jedoch könnte man sich über die Notwendigkeit einer Friedenspagode in Pokhara streiten. Die Stadt selbst scheint manchmal wie eine Hüterin des Friedens, wenn man am Seeufer ein Everest trinkt und Annapurna sieht.  

  20. Ein neues Wohnheim

    Benita Zekaj, Mitglied des Stiftungsrates, erzählt vom Aufbau eines neuen Wohnheims für die Schüler und Studenten der Great Compassion Boarding School.


    Mit unseren beiden Schulanlagen in Pokhara und Lo Manthang konnten wir den Kindern vom Kindergarten bis zur 10. Klasse einen schönen und grosszügigen Lern- und Wohnort bieten. Auch für die älteren Schüler und Schülerinnen (11. Klasse bis Studium) wurde vor ein paar Jahren ein gut gelegenes Hostel in Pokhara gefunden.

    Aber durch die stets ansteigende Schüleranzahl wird es langsam eng im Hostel und man hat schnell gemerkt: ein neues Gebäude muss her. Und genau dieses neue Wohnheim wird zurzeit gebaut.

    Lama Ngawang konnte ein Stück Land kaufen, welches sehr zentral liegt. Die neue Lage wird den Schulweg der Studierenden verkürzen.

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    Bauland (23.08x23.08m2)

    Die momentanen Bauarbeiten laufen gut voran und die Schüler und Schülerinnen werden voraussichtlich diesen Herbst einziehen.

    Der Wohn- und Essbereich wird in im ersten Stock erbaut. Die getrennten Schlafzimmer für Mädchen und Knaben befinden sich im 2. und 3. Stock. Auf jedem Stock gibt es Waschräume und Toiletten. 

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    Wir freuen uns sehr auf das neue Wohnheim und hoffen, dass sich die Jugendlichen dort wohlfühlen werden.